Achtung - versteckter Zucker 

Heu hat in der Pferdefütterung eine übergeordnete, ja zentrale BedeutungDie Energie, resp. die Gesamtzuckerwerte, die aus den unterschiedlichen Grassamen-Mischungen resultieren, sind extrem unterschiedlich. Für die Erhaltung der Pferde-Gesundheit ist es wichtig, Hintergrund-Informationen zu diesen Fakten zu kennen.

 

1970 hatten wir im Pferdebestand der westlichen Welt ca. 1 bis 1,5% Pferde, die „im Alter“ eine Zuckerkrankheit entwickelt haben - heute sind das gegen 20% unserer Pferde,  die zwischen 12 bis 16 Jahren, unabhängig von Rasse und Geschlecht, durch eine permanente Glucose-Überflutung des Blutes „zuckerkrank werden“.

 

Unterschiedliche Heubestände zeigen Analyse-Leistungswerte, die pro Kilogramm Heu  90g bis 220g Gesamtzucker erbringen (Fruktane und Zucker aus den Faser-Kohlenhydraten).

 

Beim Einkauf von Pferdeheu müssen wir wissen, ob es sich um eine Hochleistungs-Grassamenmischung handelt und die Flächen intensiv gedüngt werden. So produziertes Turbo-Heu für Kühe ist sehr gefährlich für Pferde. Dazu schreibt Hanno M. Pilartz: „ leider ist das Heu, wie es der Landwirt für seine Milch- oder Fleischrinder, seine Schafe und Lämmer haben will, für robuste, wenig genutzte Pferde reines Gift. Lässt man sie davon reichliche Mengen fressen, werden viele von ihnen Hufrehe bekommen. Lediglich Renn- oder Distanzpferde im Training, Zuchtstuten oder –Hengste vertragen das gleiche Heu wie Kühe und Kälber.

 

Die täglich verabreichte Heumenge von 8 bis 9 kg macht im Durchschnitt 80 bis 90% des Tagesbedarfes eines 650 kg schweren Warmblutes aus. Nehmen wir 9 kg von zwei unterschiedlichen Heuqualitäten wie oben erklärt, kommen wir im guten Fall auf 9 x 90g Zucker = 810g / im schlechten Fall, bei 9 x 220g auf 1980g Zucker pro Tag.

Für ein Pferd, welches täglich mit einem ruhigen Schritt-Ausritt bewegt wird, ist das eine Gesundheits-Gefährdung. Sein Blut, seine Zellen und das Fettgewebe werden überfüllt mit Glucose  (Zucker) – Übergewicht und Spätfolgen mit Neuzeit-Erkrankungen wie EMS, PSSM, Cushing etc. sind die Folgen davon.

 

Pferde haben ein Anrecht, gutes Pferdeheu mit einem tiefen Gesamtzucker-Gehalt zu fressen. Produzenten, die sich nach diesen Erkenntnissen ausrichten und pferdegerechte Grassamen-Mischungen einsähen, werden zukünftig noch besseren Absatz finden.

Dass die Hufrehe nicht vom Futtereiweiss (Gras, Heulage und Heu) ausgelöst wird, wissen heute die Meisten von uns. Überschüssige Zucker, Stärke und Fruktanwerte sind auch hier die Übeltäter. Die Stärke im Getreide spielt hier eine wichtige Rolle.

 

Nehmen wir auch bei diesem Problem die obigen Zahlen zur Hilfe. Es macht absolut keinen Sinn, bei einer Hufrehe, z.B. ein niederglykämisches Kraftfutter abzusetzen und nur noch Heu zu füttern. Marstall ProPSSM hat pro kg nur 53g Gesamtzucker / Marstall Vito nur 74g!  - also weniger als die 90 g eines "guten Pferdeheus", geschweige denn eines mit 220g Zucker.

Richtig wäre in der Zeit der Rekonvaleszent den Pferdebesitzer auf die Reduzierung der ganzen Tagesration hinzuweisen, eine Ration Pferdeheu mit Stroh zu ersetzen und den Hinweis zu geben, die Vitamin- und Mineralstoff Versorgung nicht zu vernachlässigen.

 

Marstall AG , Roland Engeler                                                                                                                10.10.2017