Marstall Pferdefütterungs-Philosophie 

 

Der Magen des Pferdes ist mit einem Fassungsvermögen von 15 bis 18 Litern relativ klein.

Das Pferd ist von Natur aus ein Steppentier und ernährt sich im Grundsatz von Pflanzenfasern. Der Magen-Darmtrakt ist noch genau so aufgebaut wie vor tausenden Jahren. Das Verdauungssystem ist auf die Aufnahme rohfaserreicher Nahrung ausgerichtet, mit dem Dickdarm als Gärkammer für die „End-Verdauung“ schwerverdaulicher Futterteile.

Die kräftigen Backenzähne müssen grobstrukturierte Futtermittel wie Heu und Stroh, aber auch Getreidekörner wirkungsvoll zerkleinern. Dadurch wird die Kautätigkeit angeregt und die Speichelbildung gefördert. Für ein Kilogramm Heu produziert das Pferd ca. 4 bis 5 Liter Speichel. Schleimstoffe im Speichel erhöhen die Gleitfähigkeit der Futterbestandteile vom Schlund in den Magen. Im Speichel des Pferdes ist bereits das wichtige Verdauungsenzym „Pepsinogen“ enthalten, welches durch die Magensäure zu Pepsin „verstoffwechselt“ wird, um mit der Verdauung von Proteinen zu beginnen.

Bikarbonate und Natriumchlorid im Speichel sorgen im Magen für das Abpuffern der  Magensäure und die Regulierung des pH-Wertes. Die intensive Speichelbildung ist zentral wichtig, um die Übersäuerung des Magenmilieus zu vermeiden und der Bildung von Magengeschwüren entgegen zu wirken.

Beim hastigen Fressen mit geringer Kautätigkeit- und Speichelbildung gelangt ein trockener Speisebrei in den Schlund und Magen. „Anschoppungen“ und Fehlgärungen können entstehen und Auslöser von schmerzhaften Koliken sein.

Deshalb ist es wichtig, den Anteil an pferdegerechter Rohfaser hoch zu halten. Viel Bewegung bei ausgedehntem Weidegang und gutes Heu ist die beste Basis für eine lebenslange, gesunde Pferdeernährung.

Der wichtigste Fütterungs-Grundsatz nach der langen Nachtruhe heisst:

mindestens 30 Minuten vor einer Kraftfutter-Gabe muss 1-2 kg Heu verabreicht werden!

 

Wird nach einer langen Nacht-Leerzeit als erste Mahlzeit Getreide verabreicht, werden durch das hastige Fressen zu wenig Speichelmasse mit Puffersubstanzen gebildet. Durch die konzentrierte und schnell fliessende Kraftfuttermenge erhält der Magen falsche Signale und kann im hinteren Magenteil zu wenig  Salzsäure bilden. Der pH-Wert bleibt zu hoch. Durch die fehlende Menge Salzsäure werden schädliche Bakterien und Pilze nicht eliminiert und können die Magenpassage leicht überleben. So gelangen sie in den Dünndarm, wo sie nicht hingehören, und vermehren sich explosionsartig.

Die dadurch erhöhte Aktivität schädlicher Bakterien kann Gaskoliken auslösen und ist verantwortlich für die schlechtere Verwertung wichtiger Nährstoffe.

Das alles kann durch eine erste Heugabe am frühen Morgen vermieden werden.

Die jährliche Zahnkontrolle- und Regulation durch fachkompetente Pferde-Zahnärzte sorgt für eine optimale Kaufähigkeit des Gebisses und kann das Problem von schlecht zerkleinerter Rohfaser massiv verbessern.

Zudem sollte die Tagesfuttermenge in mehrere kleine Mahlzeiten aufgeteilt werden. Drei, besser vier bis fünf Gaben pro Tag kommen dem natürlichen Fressverhalten des Pferdes sehr entgegen. (engmaschige Heuraufen- oder Netze verwenden, die ein stundenlanges Verweilen bei der Heuaufnahme garantieren!)

Dadurch entstehen keine grossen Leerzeiten im Magen. Die Salzsäure kann bei grossen Leerzeiten selbst die schützende Schleimhautschicht angreifen und chronische Entzündungen derselben hervorrufen. Langfristig entwickeln sich daraus Magengeschwüre und andere Krankheits-Ursachen.

Frühere Praktiken hoher Getreidegaben von 4 – 6 kg pro Tag brachten zuviel Stärke in das Verdauungssystem, was zu einer Störung der Darmflora und zu einer massiven Erhöhung des Blutzuckerspiegels führte. Erhöhte Risiken einer Hufrehe-Erkrankung, Allergien, die Bildung von Fettablagerungen mit einer permanenten Übersäuerung und den daraus resultierenden Arthrose-Belastungen am Skelett sind nur einige Symptome dieser Fehlentwicklung.

Fehlgärungen im abschliessenden Dickdarm sind Ursache von Kotwasser, Durchfall und Koliken.

Seit Jahren empfehlen wir bedarfsgerechte Tagesmengen an Kraftfutter, die nach der Heugabe in mindestens 3 Tagesrationen verabreicht werden. (Ponys, die anspruchsvoll gearbeitet werden, können die 100 bis 300g Kraftfutter pro Tag in 1 bis 2 Rationen erhalten, zusammen mit der erforderlichen Vitamin- und Mineralstoff-Versorgung – z.B. Marstall Force).

Wichtig ist in jedem Fall, dass individuell beurteilt wird, ob ein Pferd nur im Schritt bewegt, oder wirklich anspruchsvolle Arbeit leisten muss. Das kann konzentriert versammeltes Reiten im Dressurviereck oder auf dem Springplatz sein, ebenso wie viel Schritt- und Trab am Berg oder Galopp im Gelände.

Selbst ein Warmblut von 600 kg LG braucht bei einer Stunde Schritt im Gelände nicht mehr Energie als seinen Grund-Erhaltungsbedarf.

Ein Beispiel für diese Tagesfütterung:

7-8 kg Heu,1 kg Stroh, 500g bis 1 kg Marstall „Faser Light“, „Pro PSSM“ oder„Stehfutter“ neben 30 bis 50g Marstall „Force“ als Vitamin- und Mineralstoff-Grundversorgung. (bei extensivem, rohfaserreichen Heu ist die Zufütterung von 1 bis 1,5 kg guten Gras- oder Luzernewürfeln notwendig, um die wichtige Eiweissversorgung sicher zu stellen).

 

Muss das gleiche Pferd aber echte Leistung erbringen wie z.B. zwei bis drei intensive Reitstunden pro Tag mit viel Trab- und Galopparbeit, oder sportliche Aspekte mit viel Konditionsarbeit erfüllen, so empfehlen wir:

8-9 kg Heu und je nach Futtrigkeit und Temperament des Pferdes, 2,0 bis 4,0 kg Marstall „Turnier“, „Sprint“ oder „Haferfrei“. Die Zufütterung von Marstall Vita E und Selen ist bei grossen Leistungen sehr zu empfehlen.

Der erschreckende Anstieg vom Cushing- und dem metabolischen-Syndrom (Stoffwechsel-Störungen) hat aufgezeigt, dass wir individuell beobachten und entscheiden müssen, was für das entsprechende Pony, Klein- oder Grosspferd das richtige Ergänzungsfutter ist. 

Marstall hat in seinem umfassenden Futterprogramm vom niederglykämischen „Pro PSSM“ bis hin zum Hochleistungsfutter „Marathon“ alles, um die vielfältigen Erfordernisse der Pferde abzudecken.

Für die fachtechnische Beratung stehen Ihnen in unserer Zentrale Oberbipp Frau Susanne Staub, Frau Jasmine Imhof und Herr Roland Engeler gerne zur Verfügung.

Trennen Sie sich vom Bild des „prall“ gefütterten Pferdes mit 50 bis 100 kg überschüssigem Gewicht. Herz und Lunge, Leber und Nieren etc. - ganz geschweige vom ganzen Bewegungsapparat werden es Ihnen danken. Ihr Pferd wird Ihnen durch eine wohl überdachte Tagesfütterung mit Vitalität und grosser Leistungsbereitschaft beweisen, dass es bis ins hohe Alter gesund bleiben kann.

 

 Marstall AG , Roland Engeler                                                                                    10.2017