Es muss nicht immer Hafer sein

 

Aus den Zeiten, wo Pferde stundenlange, harte  Arbeit in der Landwirtschaft oder in der Armee verrichten mussten, prägte sich die Meinung, dass Heu und Hafer die richtige Pferdefütterung sei. Damals verbrauchten Pferde hohe Eiweiss- und Energiemengen bei der täglichen Arbeit. Um die Rationen noch energiereicher zu gestalten, wurde Gerste und Mais dazugefüttert.

 

Hafer, auch in nicht behandelter Form als „Hafer ganz“ hat gegenüber anderen Getreidearten den Vorteil, dass die Energiewerte bereits Ende Dünndarm aufgeschlossen und durch die Darmwand dem Pferd als schnell verfügbare Kraftreserve dient. Zudem sind im ganzen Hafer alle Wirkstoffe der Natur – ohne Hitzeeinwirkung durch die industrielle Verarbeitung – enthalten und stärken den Stoffwechsel und das Immunsystem des Pferdes.

 

Ob Schwarzhafer besser ist als „weisser“ Hafer, darüber streitet sich die Fachwelt. Sicher ist, dass auf unseren Schweizer Böden kein optimaler Hafer wächst. Deshalb wurde früher der besser ausgereifte Schwarzhafer von Frankreich importiert, der unserer Inlandqualität weitaus überlegen war. Heute bringt der importierte „weisse“ Hafer ein besseres Hektolitergewicht mit höherer Energiedichte als der Schwarzhafer.

 

Beim kurzzeitigen Gebrauch unserer modernen Sport- und Freizeitpferde haben sich die Bedürfnisse stark gewandelt. Viele Pferde stehen „hoch im Blut“, bringen viel Temperament und Arbeitsbereitschaft mit sich. Manche Reiter/in wird von diesen Eigenschaften überfordert und möchte deshalb Pferdefutter mit wenig oder sogar keinem Haferanteil einsetzen.

 

Schwer kontrollierbares Temperament bringt schnell Probleme zwischen Reiter und Pferd.

Ein haferfreies und grobstrukturiertes Kraftfutter kann eine wesentliche Veränderung im Handling mit dem Pferd und zu einer befreiteren Arbeit im Sattel beitragen. Zudem kann es bei „etwas überdrehten Pferden“ alle Bedürfnisse auch für hohe sportliche Leistungen abdecken.

Wichtig bleibt immer, dass 30 Minuten vor jeder Kraftfuttergabe Heu oder grobstrukturierter Heuersatz  gefüttert wird und die Tagesration mit der notwendigen Vitamin- und Mineralstoffkonzentration ergänzt wird.

 

 

 

Marstall AG / Roland Engeler                                                                                  Juni 2018