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Schwitzen beim Pferd – warum Elektrolyte entscheidend sind

3. Juni 2026 durch

Pferde verfügen über eine aussergewöhnlich effiziente Thermoregulation. Im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren besitzen sie zahlreiche aktive Schweissdrüsen und können grosse Mengen Schweiss produzieren. 

Dadurch sind sie in der Lage, überschüssige Körperwärme wirkungsvoll abzugeben. Besonders während körperlicher Belastung ist diese Fähigkeit lebenswichtig.

Die normale Körpertemperatur eines Pferdes liegt bei etwa 37,2 bis 38,2 °C. Bei intensiver Arbeit, hohen Aussentemperaturen oder psychischer Belastung kann die Temperatur rasch ansteigen.

Ohne funktionierende Wärmeregulation könnte dies zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Rund 70–80 % der Wärmeabgabe erfolgt beim Pferd über die Verdunstung des Schweisses auf der Hautoberfläche.


Warum schwitzen Pferde?

Schweissbildung entsteht nicht nur durch Muskelarbeit, sondern auch durch Stress, Aufregung, Angst oder Schmerzen. Hohe Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, dichtes Fell, mangelnde Luftzirkulation oder Übergewicht erschweren die Wärmeabgabe zusätzlich.

Bereits ab Temperaturen über 25–30 °C geraten viele Pferde deutlich stärker ins Schwitzen – teilweise sogar im Ruhezustand in der Box oder auf der Weide. Deshalb sollte Pferden an heissen Tagen oder nach körperlicher Belastung jederzeit ausreichend frisches Wasser zur Verfügung stehen.


Nachschwitzen – warum passiert das?

Viele Pferde schwitzen auch nach dem Reiten weiter. Dies ist grundsätzlich normal. Der Körper versucht weiterhin, gespeicherte Wärme aus tieferen Gewebeschichten abzuleiten. Deshalb können Körperstellen, die zuvor trocken erschienen, später noch feucht werden – beispielsweise die Kruppe unter der Abschwitzdecke.


Schweissbilder richtig interpretieren

Das Schweissmuster eines Pferdes kann wertvolle Hinweise auf Trainingszustand, Belastung oder mögliche Probleme liefern.

Kopf und Ohren

Schweiss im Bereich von Kopf und Hals entsteht häufig bei psychischer Anspannung. Ursachen können Nervosität, Angst, Stress oder Schmerzen sein. Auch Druck- oder Reibestellen durch Zaumzeug können lokales Schwitzen auslösen.

Hals

Schweiss an der Unterseite des Halses kann bei gymnastizierender Arbeit positiv bewertet werden. Die dortige Muskulatur steht in engem Zusammenhang mit Kaubewegung, Losgelassenheit und der Aktivität des Rückens.


Sattel- und Gurtlage

Unter dem Sattel entsteht grundsätzlich mehr Wärme. Das Schweissbild kann Hinweise auf die Passform des Sattels geben. Unsymmetrische oder trockene Druckstellen sollten kontrolliert werden, da sie auf Druckprobleme oder mangelnde Auflage hinweisen können. Im Zweifelsfall empfiehlt sich die Beurteilung durch einen Sattler oder Tierarzt.

 

Flanken und Hinterhand

Schweiss im Bereich der Flanken zeigt häufig eine aktive Bauchmuskulatur und gute Rückentätigkeit. Beginnen die äusseren Hinterhandmuskeln («Hosenmuskeln») zu schwitzen, kann dies ein Zeichen intensiver Arbeit und vermehrter Lastaufnahme sein.

Weisser Schaum an den Innenseiten der Hinterbeine entsteht dagegen häufig durch Reibung. Ursachen können enge Bewegungsmuster, starke Bemuskelung oder Übergewicht sein.


Schweissverlust und Elektrolyte

Ein Pferd kann bei intensiver Belastung innerhalb kurzer Zeit 10–15 Liter Schweiss verlieren. Mit dem Schweiss gehen nicht nur Wasser, sondern auch lebenswichtige Elektrolyte verloren. Dazu gehören insbesondere:

Natrium

Chlorid

Kalium

Magnesium

Calcium

Diese Mineralstoffe sind entscheidend für:

Muskel- und Nervenfunktion

Flüssigkeitshaushalt

Herzfunktion

Säure-Basen-Gleichgewicht

Ein erheblicher Elektrolytverlust kann zu Dehydrierung, Leistungseinbruch und Stoffwechselstörungen führen. Typische Symptome sind:

Müdigkeit

Muskelzittern oder Muskelkrämpfe

verlängerte Erholungszeit

verminderte Leistungsbereitschaft

starkes Nachschwitzen

erhöhtes Kolikrisiko

Kreislaufprobleme

In schweren Fällen kann ein massiver Elektrolytmangel lebensbedrohlich werden.


Wussten Sie schon?

Ein typisches Zeichen eines ausgeprägten Elektrolytmangels kann eine verminderte Wasseraufnahme sein. Der Körper versucht dabei unbewusst, das verbleibende Verhältnis zwischen Wasser und Elektrolyten stabil zu halten. Dadurch steigt das Risiko einer gefährlichen Dehydrierung zusätzlich an.


Elektrolyte richtig ergänzen

Nach starkem Schwitzen sollten Elektrolyte gezielt ergänzt werden. Wichtig ist dabei:

Elektrolyte immer zusammen mit ausreichend Wasser anbieten

Dosierung an Arbeit, Temperatur und Schweissverlust anpassen

Elektrolytprodukte nicht dauerhaft überdosieren

hochwertige Produkte mit ausgewogener Zusammensetzung verwenden

Elektrolyte können über verschiedene Formen verabreicht werden:

über das Futter

über das Trinkwasser

als flüssige Präparate

in Pulverform

als Pellets

Besonders Sportpferde, ältere Pferde, Pferde mit starkem Schweissverlust oder Tiere während Hitzewellen profitieren häufig von einer gezielten Unterstützung.


Fazit

Schwitzen ist beim Pferd ein lebenswichtiger und hochkomplexer Mechanismus zur Temperaturregulation. Gleichzeitig bedeutet starkes Schwitzen immer auch einen Verlust wichtiger Mineralstoffe und Flüssigkeit. Eine ausreichende Wasserversorgung, angepasste Trainingsintensität und eine gezielte Elektrolytversorgung sind entscheidend für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden des Pferdes.